Friesische Freibeuter





Addi, der Hund, hat's ausgegraben. Er hat mal wieder im Strandsand gescharrt und gebuddelt - und als Wolle ihn schon aufgezogen hat, Addi sei wohl vergesslich geworden und wisse nicht mehr, wo er seine Knochenbestände vergraben hat, hat der alte Hund doch tatsächlich eine Schatulle gefunden. Aus altem Holz, mit Metallbeschlägen, und zwei-drei Muscheln wohnten auch daran.
Der Schäfer hat sie aufgekriegt - und dann waren wir alle ganz schön baff. Da war vergilbtes Pergament drin, ein Krummdolch und ein goldener Ohrring. Und als wir die Zeichnungen auf dem alten Pergament anschauten, fiel mir mein alter Urgroßvater ein. Der war eigentlich ein schwarzes Deichschaf wie ich. Aber er war, als ich ihn kennen lernte, schon schlohweiß, so alt war der. Und Urgroßvater erzählte mir, wenn er nicht gerade mal in einer Wolldecke im Schuppen schlief, von unseren Vorfahren. Schafen, die zur See gefahren sind, auf Segelschiffen, die auf den Weltmeeren kreuzten. Ich fand das immer schwer zu glauben.

Und gestern abend starrten wir Schafe stumm auf die alten Pergamente, die der Schäfer mit seiner Laterne beleuchtete. Wir alle sahen die Zeichnungen aus einer alten, talentierten Seemannshand. Keiner blökte ein Wort. Also stimmten die Geschichten: Unsere Vorfahren waren friesische Freibeuterschafe. Sie kaperten spanische Galeonen voller Gold und Edelsteine. Ich sage das Wollpulliseminar am Wochenende ab. Am Sonntag ist Muttertag. Ich muss mit Mutter über Urgroßvater sprechen ...

Maat.

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